Amazon Arbeiter:innen fordern Daten-Transparenz

14 Mär 2022

Amazon Belegschaft wehrt sich Mithilfe der DSGVO gegen Überwachung 

Amazon-Lagerarbeiter:innen aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Polen und der Slowakei haben heute Auskunftsersuchen gemäß Artikel 15 der DSGVO gestellt. Diese Aktion wir vom internationalen Gewerkschaftsverband UNI Global Union und noyb.eu koordiniert und soll Klarheit über Amazons Umgang mit den personenbezogenen Daten seiner Beschäftigten schaffen. Obwohl das Unternehmen ausgeklügelte Systeme zur Überwachung von Arbeitsabläufen und Arbeitnehmer:innen einsetzt, werden die Betroffenen bisher über die Verwendung ihrer personenbezogenen Daten im Unklaren gelassen. Amazon hat nun einen Monat Zeit, um die Verarbeitungschritte vollständig offenzulegen. 

Amazon bespitzelt Arbeitnehmer:innen. Interne Dokumente von nationalen Gewerkschaften bestätigen klar Amazons Überwachungspraktiken: so werden regelmäßige „Background Checks“ durchgeführt und Arbeitnehmer:innen werden zudem ständig durch invasive Instrumente kontrolliert, um etwa ihre Arbeitsleistung minutiös zu überwachen..

"Amazon mag einer der größten Konzerne der Welt sein, aber sie können nicht einen Algorithmus mit unseren Daten füttern und dann Leute feuern oder mit unseren Daten machen, was sie wollen. Als Arbeitnehmer haben wir ein Recht auf Privatsphäre und ein Recht darauf, Bescheid zu wissen."Andreas Gangl, Vertrauensperson der deutschen Gewerkschaft ver.di und Arbeiter, der eine Auskunftsersuchen eingereicht hat.

Belegschaft im Unklaren. Die Arbeitnehmer:innen erhalten wenig bis gar keine Informationen über die intensive Überwachung, die ihren Alltag in der Lagerhalle bestimmt. Sie wissen nicht, welche Informationen gesammelt werden, zu welchen Zwecken und an wen sie weitergegeben werden –  sie wissen nicht einmal Bescheid, ob es bei Amazon eine Datenschutzrichtlinie gibt. Vollkommen unklar ist, inwiefern über die berufliche Zukunft der Arbeiter:innen automatisiert auf Grundlage von Tracking-Daten entschieden wird.

DSGVO soll Licht ins Dunkel der Datenverarbeitung bringen. Gemäß Artikel 13 und 14 der DSGVO haben EU-Bürger:innen das Recht, über die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten informiert zu werden. In einer koordinierten Aktion haben nun Amazon-Lagerarbeiter:innen aus fünf europäischen Ländern Auskunftsersuchen eingereicht, um zu klären, ob das Unternehmen die Daten der Beschäftigten nutzt, um unmenschliche Arbeitsbedingungen und unsichere Produktivitätsraten zu fördern.

"Dies ist ein klassischer Fall von Informations- und Kontrollasymmetrie. Auf der einen Seite haben wir ein privates Unternehmen, das riesige Mengen an persönlichen Daten sammelt, und auf der anderen Seite haben wir Einzelpersonen, die in der Zwickmühle stecken und wirtschaftlich von ihren Arbeitsplätzen abhängig sind. Wir versuchen, dieses Ungleichgewicht durch koordinierte Auskunftsersuchen zu beseitigen. - Stefano Rossetti - Datenschutzjurist bei noyb

"Die Kombination aus Amazons unersättlichem Appetit auf Daten und seinem gewerkschaftsfeindlichen Verhalten ist äußerst beunruhigend. Die Beschäftigten haben das Recht zu erfahren, ob ihre persönlichen Daten gegen sie verwendet werden damit sie ihre Rechte nach der DSGVO wahrnehmen können," - Christy Hoffman, Generalsekretärin von UNI Global Union (Zitat übersetzt aus dem Englischen)

Amazon ignoriert Rechte der Arbeitnehmer:innen. UNI Global’s Bericht Amazon-Panotpikum“ informiert detailliert über die allumfassende Überwachungssysteme, denen Amazon-Beschäftigte ausgesetzt sind. Der ultraschnelle Lieferprozess, der unter Einsatz hochinvasiver Instrumente überwacht wird, hat überaus schädliche Auswirkungen auf seine 1,3 Millionen Beschäftigten: Unerbittlich werden sie bewertet, sind hohem Druck und zermürbenden Bedingungen ausgesetzt. Die New York Times schrieb angesichts dieses unmenschlichen Systems kürzlich, dass Amazon seine Mitarbeiter:innen so schnell ausbrennt, dass Führungskräfte befürchten, es gäbe bald keine Leute mehr, die sie einstellen können.Bloomberg berichtet, dass Amazon-Fahrer schon wegen kleiner Missgeschicke, die ein menschliche Führungskraft wohl ignorieren würde, per App gefeuert werden.