Drei GDPR-Beschwerden gegen Grindr, Twitter und die AdTech-Unternehmen Smaato, OpenX, AdColony und AT&T's AppNexus eingereicht

14 Jan 2020

Link zur Hauptseite des Norwegischen Verbraucherrats: https://www.forbrukerradet.no/out-of-control/

Untersuchungen des norwegischen Verbraucherrats (Forbrukerrådet) zeigen, dass viele Smartphone-Apps sehr persönliche Daten an Tausende von Werbepartnern senden. Der Bericht deckt auf, wie eine große Anzahl von schattenhaften Wesen persönliche Daten über unsere Interessen, Gewohnheiten und unser Verhalten erhalten, jedes Mal, wenn wir bestimmte Apps auf unseren Telefonen benutzen. Diese Informationen werden verwendet, um umfangreiche Profile über uns zu erstellen, die für gezielte Werbung und andere Zwecke genutzt werden können.

"Diese Praktiken sind außer Kontrolle geraten und sind weit verbreitet in Bezug auf die Verletzung der Privatsphäre und des europäischen Rechts. Der Umfang der Nachverfolgung macht es uns unmöglich, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, wie unsere persönlichen Daten gesammelt, weitergegeben und genutzt werden. Folglich steht diese massive kommerzielle Überwachung systematisch im Widerspruch zu unseren Grundrechten", sagt Finn Myrstad, Direktor für digitale Politik im norwegischen Verbraucherrat.

"Jedes Mal, wenn du eine App wie Grindr öffnest, erhalten Netzwerke deinen GPS-Standort, Gerätekennungen und sogar die Tatsache, dass du eine Gay-Dating-App benutzt. Dies ist eine wahnsinnige Verletzung der EU-Privatsphäre der Nutzer", sagt Max Schrems, Gründer des europäischen gemeinnützigen Vereins noyb

Drei bei der zuständigen Datenschutzbehörde eingereichte Beschwerden

Der norwegische Verbraucherrat hat drei formelle Beschwerden gegen die Gay/Bi-Dating-App Grindr und fünf Adtech-Unternehmen eingereicht, die über die App persönliche Daten erhalten haben: Twitter`s MoPub, AT&T's AppNexus, OpenX, AdColony und Smaato. Alle Beschwerden wurden in Zusammenarbeit mit noyb bei der norwegischen Datenschutzbehörde (DPA) wegen Verstößen gegen die allgemeine Datenschutzverordnung (GDPR) eingereicht.

Während die norwegischen Beschwerden einen norwegischen Android-Nutzer betreffen, wird noyb in den kommenden Wochen ähnliche Beschwerden über einen österreichischen iOS-Nutzer bei der österreichischen DPA einreichen.

Profiling: Tracking online und auf dem Telefon

Viele Akteure in der Adtech-Branche sammeln Informationen über uns an verschiedenen Orten, einschließlich Web-Browsing, angeschlossene Geräte und Social Media. Kombiniert man diese Daten, so ergibt sich ein detailliertes Bild des Einzelnen, das unser tägliches Leben, unsere geheimen Wünsche und unsere verwundbarsten Momente offenbart.

Ala Krinickytė, Anwalt bei noyb: "Im Fall von Grindr erscheint es besonders problematisch, dass Dritte nicht nur die GPS-Ortung oder Gerätekennungen erhalten, sondern auch die Information, dass eine Person eine Dating-App benutzt, die als 'ausschließlich für die Gay/Bi-Community' beschrieben wird. Dies offenbart offensichtlich die sexuelle Orientierung des Benutzers."

Was muss getan werden?

Der norwegische Verbraucherrat fordert Unternehmen, die auf digitale Werbung setzen, dringend auf, nach alternativen Lösungen zum derzeit dominierenden Adtech-System zu suchen, wie z.B. Technologien, die nicht auf einer weit verbreiteten Ausstrahlung und der Erhebung personenbezogener Daten beruhen.

"Die Situation ist völlig außer Kontrolle. Um das signifikante Machtgefälle zwischen Verbrauchern und Drittunternehmen zu verschieben, müssen die derzeitigen Praktiken des umfangreichen Trackings und Profiling beendet werden", sagt Myrstad.

Es gibt nur sehr wenige Maßnahmen, die die Verbraucher ergreifen können, um die massive Verfolgung und den Datenaustausch, die überall im Internet stattfinden, einzuschränken oder zu verhindern. Die Behörden müssen aktive Durchsetzungsmaßnahmen ergreifen, um die Verbraucher vor der illegalen Nutzung personenbezogener Daten zu schützen.

Danksagung

  • Das Projekt wurde vom norwegischen Verbraucherrat geleitet
  • Die technischen Tests wurden von der Sicherheitsfirma Mnemonic durchgeführt.
  • Die Recherche zur Adtech-Industrie und zu spezifischen Datenbrokern wurde mit Unterstützung des Forschers Wolfie Christl von Cracked Labs durchgeführt
  • Die zusätzliche Auditierung der Grindr-App wurde von dem Forscher Zach Edwards von MetaX durchgeführt.
  • Die rechtliche Analyse und die formellen Beschwerden wurden mit Unterstützung von noyb verfasst. noyb ist unterstützt von mehr als 3.000 Fördermitgliedern und arbeitet an strategischen Rechtsstreitigkeiten zur Durchsetzung des Grundrechts auf Datenschutz in der Praxis.

Weitere Kommentare und Fragen:

Norwegischer Verbraucherrat

noyb - Europäisches Zentrum für digitale Rechte

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